Covid-19: Wie steht es um die Berner Holzbranche?

Welche Auswirkungen hat die Pandemie auf die Berner Wald- und Holzbranche? Die Initiative Holz BE hat Ende Mai bei den einzelnen Verbänden nachgefragt und deren Erfahrungen und Perspektiven zusammengetragen. | Bild Simon Caspersen / Unsplash


Holzbau Schweiz: blockierte Projekte

Es berichten die Sektionen Bern und Berner Oberland. Die Holzbaubetriebe konnten mit Auflagen während der Covid-19 Krise weiterarbeiten. Da die Branche stark im Inland einkauft, war auch die Materialverfügbarkeit zu einem grossen Teil gewährleistet. Schwieriger ist die Situation bei Projekten, die kurz vor der Ausführung stehen oder auch behördliche Prozesse wie Baugenehmigungen oder ähnliches zum Start brauchen. Diese Projekte sind blockiert. Auch auf Kundenseite kann gesagt werden, dass Investitionen, die noch nicht definitiv gesprochen wurden, im Moment teils blockiert sind oder nicht ausgelöst werden. Einige Betriebe haben für Teile ihrer Betriebe Kurzarbeit beantragt und zum Teil zur Überbrückung auf Covid-19-Kredite zurückgegriffen. Es kam auch zu einigen wenigen Entlassungen.

Die Auslastung und Auftragslage für das Jahr 2020 wird generell als gut bis sehr gut eingeschätzt – trotz Corona-Krise. Mittelfristig muss jedoch mit einer rückläufigen Auftragslage gerechnet werden, speziell im Berner Oberland, welches stark vom Tourismus abhängig ist.

Berner Waldbesitzer: Borkenkäfer und Forstschutz

Aufgrund der Covid-19 Auswirkungen sehen sich die Waldbesitzer mit einem stark eingeschränkten Holzmarkt konfrontiert. Die trockene Witterung vom März/April lässt zudem ein Worst-Case Szenario bei der Borkenkäferentwicklung befürchten. Gemäss einer Umfrage des BWB erwarten die Waldbesitzer noch mehr Käferholz als im Vorjahr. Gesicherter Absatz besteht aktuell für rund 15 Prozent der erwarteten Käferholzmenge.

Ohne Holzabsatz muss für die Ergreifung der Forstschutzmassnahmen im Kanton Bern mit Kosten von 10 bis 40 Millionen Franken gerechnet werden. Werden die Massnahmen nicht rechtzeitig ergriffen, kann es zu einer unkontrollierten Verbreitung des Borkenkäfers und einem grossflächigen Absterben der Fichte kommen.

Holzindustrie Schweiz: Nachfrage eingebrochen

Die Schweizer Holzindustrie ist von der Corona-Pandemie direkt betroffen. Obwohl Holz auch in der Krise für Baumaterial, Verpackungen oder als Energieträger nachgefragt wurde und wird, bewirken die behördlich verfügten Schutzmassnahmen teilweise deutliche Einbrüche in der Nachfrage. In den ersten Wochen waren die Schliessung der Baumärkte und der Wegfall gewisser Exportkanäle (vor allem Frankreich und Italien) das grösste Problem. Jetzt sind zunehmend Verzögerungen bei Bauprojekten und Investitionsentscheiden spürbar, vor allem im privaten Sektor.

Kurzarbeit und Kredite
Aktuell haben rund ein Drittel der Mitglieder Kurzarbeit und ein Viertel einen Covid-19-Kredit beantragt. Generell sind die Romandie und das Tessin von der Krise mehr betroffen als die Deutschschweiz. Auf der anderen Seite gibt es auch zahlreiche Industriebetriebe, die von der Krise profitieren. Temporäre Lieferprobleme beim grenzüberschreitenden Verkehr, aber auch eine generell wachsende Wertschätzung für regionale Verarbeitungsketten, führen produkteabhängig zu einer erhöhten Nachfrage.

In der Existenz bedroht: Angst vor zweitem Lockdown
Die weitere Entwicklung wird mit Spannung verfolgt. Ein zweiter Lockdown würde viele Betriebe in eine existenzielle Notlage bringen. Die Holzindustrie erwartet, dass in dieser Situation vor allem die öffentliche Hand ihre Verantwortung wahrnimmt und notwendige Investitionen in die Infrastruktur ohne Verzögerung tätigt.

VSSM: Konsumentenstimmung entwickelt sich positiv

Die allgemeine Auftragslage im Schreinergewerbe ist sehr unterschiedlich. In den Bereichen allgemeiner Innenausbau und Fensterbau wird die Auftragslage gut bis sehr gut bewertet. Die Bereiche Handel mit Möbel und Küchen werden schlecht bis sehr schlecht bewertet. Diese Situation ist durch die Schliessung von Ausstellungen entstanden. Während den letzten zwei Monaten konnten in der Branche nur wenige bis fast keine Angebote erstellt werden. Dadurch wird mit Auftragseinbrüchen in den Monaten Juni bis August gerechnet. Die Konsumentenstimmung entwickelt sich jedoch eher positiv.


Weitere Details und Eindrücke zur aktuellen Situation aus der Berner Wald- und Holzbranche hat die Initiative Holz Bern auf ihrer Seite zusammengefasst und Kernanliegen formuliert.

(Quelle: Initiative Holz Bern, 27.5.2020)

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