80 Meter hoch und nachhaltig – aus sozialer und ökologischer Perspektive: Das ist das Projekt Pi in Zug. Mit ihrer Gesamtleistungsstudie entschieden Duplex Architekten, die Ingenieure WaltGalmarini und Implenia den Wettbewerb für sich. Das Projekt Pi steht für durchmischtes und verkehrsarmes Wohnen. Der Baustart soll Ende 2021 erfolgen.

 


Das «Projekt Pi» der V-ZUG Immobilien soll nicht nur das höchste Holzhochhaus der Schweiz werden. Es soll ein innovatives Wohnhochhaus entstehen, das preisgünstiges Wohnen in Zug zu schafft. Das Hochhaus an der Baarerstrasse 104-108 in Zug bildet auch den Auftakt für die Entwicklung des Tech Clusters Zug auf dem Stammareal der V-ZUG.

Das Siegerprojekt stammt von Duplex Architekten, den Ingenieuren WaltGalmarini und der Implenia. Laut V-Zug Immobilien kombiniert der Entwurf verschiedene Innovationen zu einer Gesamtlösung und gibt präzise Antworten auf die komplexe mehrdimensionale Fragestellungen.

 

Rahmentragwerk aus Buchholz und Holzverbundflachdecke

Der Schlussbericht erläutert die ersten konstruktiven Details: «Das vorgeschlagene, sehr innovative Tragsystem ist richtungsneutral und erlaubt sehr grosse Spannweiten und somit grosse Flexibilität in der Grundrissgestaltung. Es besteht aus einem inneren und einem äusseren Rahmentragwerk aus Buchenholz (Tube-in-Tube-System) und einer unterzugslosen Holzverbundflachdecke. Weil das Gebäude über das Rahmentragwerk ausgesteift wird, kann auf grosse, massive Aussteifungskerne in Ortbeton verzichtet werden. Das Holzskelett bleibt somit sichtbar. Dank des geringen Bodenaufbaus der Decke können im 80 Meter hohen Gebäude 27 Geschosse gebildet werden. Detailliert nachzuweisen ist noch, ob die Horizontalstabilität des Hochhauses ausreichend ist.»

Projekt Pi Gesamtleistungsstudie für ein Wohnhochhaus in Zug Schlussbericht / Screenshot.
Weitere Informationen sowie der gesamte Schlussbericht der Gesamtleistungsstudie sind online verfügbar (Klick auf Bild).

Mit dem Projekt sollen konkrete und spezifische Weiterentwicklungen im Bauen hinsichtlich einer umfassend verstandenen Nachhaltigkeit initiiert werden. Das 80 Meter hohe Haus ist mit dem beschriebenen Programm, soweit dies technisch möglich und ökonomisch sinnvoll ist, in Holzbauweise zu konzipieren. Holz als nachwachsender, regional verfügbarer und CO2-neutraler Baustoff soll herkömmliche Baumaterialien so weit wie möglich ersetzen.

Bedingungen hierfür sind:

1. Der ökonomische Lifecycle des Gebäudes muss mit einem konventionellen Gebäude vergleichbar sein (inkl. Unterhalt Fassade).
2. Die langfristige Sicherheit des Gebäudes und damit auch die Bewilligungsfähigkeit muss nachgewiesen werden können.
3. Neue Möglichkeiten und Freiheiten bezüglich der architektonischen Ausgestaltung wie auch die Qualitäten des Holzes müssen wahrnehmbar gemacht werden.
4. Die Industrialisierung respektive Digitalisierung des Planungs- und Bauprozesses muss Vorteile bezüglich Bauqualität, Flächeneffizienz und Erstellungsfristen aufzeigen.
Insbesondere in den folgenden Themen soll das Projekt, wo möglich und sinnvoll, gängige Umsetzungen hinterfragen, um innovative, aber dennoch robuste und zuverlässige projektspezifische Lösungen zu entwickeln:
• Schallschutz
• Energieträgheit, nötige Masse
• gerichtete und damit unflexible statische Systeme (lineare vs. Flächen-Tragwerke)
• starre, konzeptbestimmende Elementierung von Bauteilen
• Übergänge Innen/Aussen, Zusammenspiel Gebäudehülle und Tragwerk
• konstruktive Ausbildung der Holzverbindungen resp. der Verbindungen der statischen Strukturen
• konstruktive Holzoberflächen auf Sicht

(Quelle: Projekt Pi, Gesamtleistungsstudie für ein Wohnhochhaus in Zug, Schlussbericht)

Das Projekt soll einen Beitrag zur Diskussion über die Nachhaltigkeit von Bauwerken und die Möglichkeit und Grenzen der Nachhaltigkeit bei Hochhäusern leisten. Die Betriebsenergie des Gebäudes soll die energetischen Grenzwerte von Minergie nicht überschreiten. Für die Versorgung mit Wärme und Kälte ist der Multi-Energy-Hub des Technologieclusters basierend auf Grund- und Seewasser zu nutzen. Ein partieller Einsatz von Photovoltaik-Elementen an der Fassade soll geprüft werden. (Quelle: Projekt Pi, Gesamtleistungsstudie für ein Wohnhochhaus in Zug, Schlussbericht)

Projekt Pi: Baustart erfolgt voraussichtlich Ende 2021

Als nächster Schritt steht die Erarbeitung eines Bebauungsplans für das Geviert Baarer-, Göbli-, Industrie- und Mattenstrasse an. Der Baubeginn des Projekts ist voraussichtlich Ende 2021 geplant. Mit der Fertigstellung wird per 2024 gerechnet.

Die Ergebnisse der Gesamtleistungsstudie werden in einer Ausstellung vom 25. September bis am 16. Oktober 2019 im Zugorama an der Baarerstrasse 124 in Zug gezeigt. Die Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr.

Wettbewerb: ökologische und soziale Kriterien

Mit einer Gesamtleistungsstudie, an der fünf namhafte Schweizer und ein österreichisches Team teilgenommen haben, wurde ausgelotet, wie preisgünstiges Wohnen in einem Hochhaus mit modernsten Bauverfahren und nachhaltiger Materialisierung ermöglicht werden kann.

Im Zentrum des Projekts stehen ökologische und soziale Dimensionen der Nachhaltigkeit. Dazu lotet das Projekt die bautechnischen Möglichkeiten aus, Baustoffe mit hohen CO2- Emissionen in der Tragstruktur, aber auch in den Innenräumen durch Holz zu ersetzen. Ebenso werden die Potenziale für Photovoltaikanlagen auf dem Dach und an der Fassade möglichst ausgeschöpft. Mit erneuerbarer Wärme und Kälte aus dem Tiefensee des Baarer Bodens und aus dem Zuger See wird das Gebäude schliesslich energetisch versorgt werden. ^sd/pd

Der Tech Cluster Zug ist ein «Generationenprojekt» der Metall Zug Gruppe. Auf dem Areal der V-ZUG entstehen in den kommenden Jahren eine neue, vertikale Fabrik für die V-ZUG und in mehreren Etappen weitere Gebäude zur industriellen Nutzung. Erschlossen wird das Areal mit einem ökologischen Energy-HUB und einem innovativen Mobilitätskonzept. Das technologisch geprägte Ökosystem soll zu einem lebendigen Stück Stadt heranwachsen technologiecluster-zug.ch

Metall Zug ist eine Gruppe von Industrieunternehmen mit Hauptsitz in Zug. Die Gruppe beschäftigt rund 5000 Mitarbeitende und umfasst sechs Geschäftsbereiche:  Haushaltapparate (V-ZUG AG, SIBIRGroup AG, Gehrig Group AG und weitere Tochtergesellschaften), Infection Control (Belimed Gruppe), Life Science Solutions (Belimed Life Science AG, Belimed Life Science d.o.o.), Medical Devices (Haag-Streit Gruppe), Wire Processing (Schleuniger Gruppe), Tech Cluster & Infra (V-ZUG Immobilien AG, V-ZUG Infra AG, MZ Infra AG).