Noch wählen wenige Frauen den Beruf der Zimmerin. Das soll sich ändern: Am Nationalen Zukunftstag bieten Spezialprojekte den Einblick in Berufe jenseits der typischen Rollenbilder an.

Unter dem Motto «Seitenwechsel» öffnen am 14. November 2019 Hunderte von Betrieben ihre Türen für Schülerinnen und Schüler. Am Nationalen Zukunftstag erhalten sie in Spezialprojekten praktische Einblicke in ihnen noch unbekannte Berufe.

Ein Tag als Zimmerin –
22 Betriebe machen mit

Das Spezialprojekt «Ein Tag als Zimmerin» lädt Schülerinnen ein, Holzbaubetriebe zu besuchen. In den Spezialprojekten verbringen junge Menschen gruppenweise den Tag mit Fachpersonen, die sie an die jeweiligen Berufe heranführen und ihre Fragen beantworten. Der Fokus liegt bewusst auf geschlechterspezifisch geprägten Berufen, in denen sich ein Fachkräftemangel abzeichnet. Wie auch im Fall des Berufs der  Zimmerin.

Beim diesjährigen Nationalen Zukunftstag haben sich 22 Zimmereien bereit erklärt, das Spezialprojekte «Ein Tag als Zimmerin» zu unterstützen (Karte).

Programm für die «Zimmerinnen» (Auswahl)

«Erlebe einen Tag mit der Vielfältigkeit des Rohstoffes Holz. Staune über die Art der Holzgewinnung durch die Forstwartin. Bewundere die Verarbeitung vom Baum zum Brett vom Säger. Erfahre die Konstruktionsmöglichkeiten des Holzbau durch die Zimmerin, den Spengler und die Dachdeckerin, auch durch eigene Mitarbeit. Erinnere dich an einen erlebnisreichen Tag mit dem selbst gefertigten Möbel.»  Hochuli Holzbau AG

«Zuerst entdeckt ihr unseren Betrieb bei einem kurzen Rundgang. Anschliessend bringen wir euch das Material Holz etwas näher, indem wir zeigen, wie und was alles aus einem Baum hergestellt wird. Natürlich könnt ihr auch selber mit anpacken. Mit Hilfe von Handwerkzeugen und Verbindungsmaterialien stellen wir ein Objekt aus Holz her, welches ihr mit nach Hause nehmen dürft.

Zum Schluss besuchen wir eine Baustelle in der Region, um zu schauen, wo das Material Holz seine Endbestimmung finden kann. Der Tag endet um ca. 16.00 Uhr und ihr könnt mit neuem Wissen nach Hause gehen.» Hans Blattner AG

«Mit einem Ganztagesprogramm bekommst du einen Einblick in unseren Betrieb und lernst die Vielseitigkeit des Berufs Zimmerin kennen. Durch die Mithilfe in der Produktion oder auf dem Bau wirst du ein abwechslungsreicher Morgen erleben. Nach dem Mittagessen, dass du auch zu Hause geniessen kannst, wird in der Gruppe ein Gegenstand hergestellt, den du dann auch mit nach Hause nehmen kannst. Wir freuen uns auf dich.»  Holzin AG

«Schlüpfe einen Tag lang in die Rolle als Zimmerin. Du hast Einblick in unseren Betrieb, unterstützt das Team bei seinen täglichen Arbeiten und lernst den Umgang mit Holz. Nach einem offerierten Znüni wirst du selber kreativ. In der Produktionshalle stellst du einen Gegenstand selber her und kannst ihn als Erinnerung mit nach Hause nehmen.» Hecht Holzbau AG

«Bei uns lernst du den Beruf der Zimmerin kennen. Du nimmst am Workshop Bau von Holzliegen teil und hast die Gelegenheit, alle deine Fragen zum Beruf und zur Ausbildung zu stellen. Wir freuen uns auf dich!» S. Müller Holzbau AG

2018 nur 11 angehende Zimmerinnen

Unter den 812 Zimmerleuten, die 2018 die Ausbildung abgeschlossen haben, gab es nur elf Frauen. Das sind knapp 1,4 Prozent. Doch gerade in Anbetracht des Lernenden- und Fachkräftemangels in handwerklichen Berufen ist es wichtig, auch in Zukunft junge Frauen für den Beruf der Zimmerin zu begeistern.

JahrTotalMännerFrauen
199890389211
19999519456
20009059456
20018798754
20028688644
20038418374
20048268242
2005 7857841
200683282210
20079549495
200894693412
200999098010
2010100599510
201197094723
201294393310
201394393211
20149819729
201510191109
201610059987
2017*87870
201881280111

*Wechsel von 3- auf 4-jährige Lehre

Socialwall: Zukunftstag auf Social Media

Wandel der Rollenbilder deutet sich an

 


Langsam aber stetig wächst die Zahl der jungen Frauen und Männer, die sich für «untypische» Berufe entscheiden. So ist der Frauenanteil an den Fachhochschulen in Technik und IT von 4% im Jahr 2000 auf 12% im Jahr 2018 angestiegen. Bei den jungen Männern, die sich für eine Ausbildung im Sozialwesen entschieden haben, ist der Anteil von 2% (2000) auf 15% (2017) gestiegen.

Eine erfreuliche Entwicklung für die Arbeitswelt und ganz im Sinn des Nationalen Zukunftstags, der sich seit 19 Jahren für ein ausgewogenes Berufs- und Rollenverständnis engagiert.
(pd/sd)