«FOR FOREST – Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur» verwandelt das Wörtherseestadion vom 8. September bis zum 27. Oktober 2019 in Österreichs grösste öffentliche Kunstinstallation. Von den Rängen schweift der Blick über einen europäischen Mischwald. Die Idee dazu lieferte eine Zeichnung von 1970.


Das Wörtherseestadion ist die fussballerische Heimstätte des Vereins SK Austria Klagenfurt, der aktuell in der 2. Österreichischen Liga spielt. Eigentlich. Denn seit ein paar Tagen lässt sich hier Ungewöhnliches von den Rängen aus bestaunen: Ein Wald mit rund 300 Bäumen, von denen einige bis zu sechs Tonnen wiegen.

Schweizer bauen Mischwald in Österreichs grösstem Stadion

Hinter der Kunstinstallation «For the Forest» stecken zwei Schweizer: Künstler Klaus Littmann und Landschaftsarchitekt Enzo Enea. Sie erschufen über das gesamte Spielfeld erstreckt einen mitteleuropäischen Mischwald. Angepflanzt wurden rund 20 Baumarten, von der Birke bis zur Zitterpappel, Bäume aus Baumschulen, die bis zu 14 Meter hoch und rund 50 Jahre alt sind. Es ist ein Wald nach exaktem Belegungsplan, der nach Ausstellungsende  unweit des Stadions auf einem Grundstück in der eben gleichen Formation verpflanzt wird.

Von den Rängen aus können die Zuschauer die Bäume auf dem Feld Tag und Nacht bestaunen. Je nach Tages- oder Nachtzeit bilden die Bäume eine sich ständig verändernde Landschaft, die sich durch Witterungseinflüsse sowie die saisonale Herbstfärbung des Laubes weiter verändern wird.

Installation ist ein Mahnmal: Bald gibt es die Natur nur noch im Gefäss

Mit dieser monumentalen Installation möchte der Basler Künstler Klaus Littmann die Wahrnehmung der Natur herausfordern und den Blick auf die Zukunft der Mensch-Natur-Beziehung schärfen. Das Projekt versteht sich auch als Mahnmal dafür, dass die Selbstverständlichkeit der Natur eines Tages nur noch in ihr speziell zugewiesenen Gefässen zu bestaunen sein könnte, wie das bereits heute etwa mit Tieren im Zoo der Fall ist.

Klaus Littmann © Emmanuel Fradin
Klaus Littmann © Emmanuel Fradin

Das Projekt geht auf die Initiative Klaus Littmanns zurück. Er sah die Bleistiftzeichnung «Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur» von Max Peintner (geb. 1937) erstmals vor über 30 Jahren und trug seither die Idee zur Realisierung dieser beeindruckenden Dystopie mit sich.

Dystopische Zeichnung :
«Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur»

Max Peintner «Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur», Bleistiftzeichnung 1970/71 © Max Peintner
Max Peintner «Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur», Bleistiftzeichnung 1970/71 © Max Peintner
Max Peintner «Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur», Bleistiftzeichnung 1970/71, handkoloriert von Llaus Littmann 2018, Unikat ©For Forest
Max Peintner «Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur», Bleistiftzeichnung 1970/71, handkoloriert von Klaus Littmann 2018, Unikat ©For Forest

Mit dieser Fiktion war Peintner seiner Zeit weit voraus, da das  Problem des Waldsterbens erst in den 1980er-Jahren breit diskutiert wurde. Seine Zeichnung ist im Laufe der Jahre zu einer Ikone und zum Denkanstoss über die bildende Kunst hinaus geworden. (PD/SD)